Mit Ablauf des zweiten Jahrzehnts nach der Wende tritt eine ganze Gründergeneration ab. Doch besonders im Osten Deutschlands scheuen sich Unternehmer lange, einen Nachfolger für ihren Betrieb zu suchen.
Ist die Unternehmensnachfolge geregelt, kann der Ruhestand kommen
Rund 1600 Unternehmen pro Jahr sind in nächster Zeit allein in Brandenburg von der Übergabe betroffen – oder: 15 600 Arbeitsplätze, wie das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn errechnet hat. Weitere Ergebnisse: Immer seltener wird der Betrieb innerhalb der Familie übergeben und in fast jedem dritten Fall trifft es die Firma unvorbereitet - durch Unfall, Krankheit oder Tod des Inhabers. In vielen Fällen stehe das Unternehmen dann vor dem Aus.
Vor Jahren wurde auch Margrit Bühler klar: "Wenn mir etwas passiert, wäre es schwierig, den Betrieb am Leben zu erhalten." Über das Internet begann sie, deutschlandweit einen Nachfolger für die Spitze des Betriebs, den sie 1991 von der Treuhand gekauft hatte, zu suchen. Doch die Auswahl war schwer. "Ich wusste ja, ich muss noch bis zur Rente mit demjenigen zusammenarbeiten." Erst Kandidat Nummer drei, der heute 49 Jahre alte Rolf Mörsdorf, war der Richtige.
Unternehmer denken eher ans Tagesgeschäft
Die Industrie- und Handelskammern sähen es gern, wenn mehr Mitglieder so weitsichtig wären. Sie blicken mit wachsender Sorge auf die nächsten Jahre. "In den kleinen Unternehmen denkt man zunächst an das Tagesgeschäft, nicht an die Zukunft", heißt es bei der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder). Sprecher Thilo Kunze sieht die Nachfolge bei jedem fünften Kammerbetrieb als drängendes Problem. Ein weiterer Grund, warum die Lösung aufgeschoben wird: "Nicht jeder will sein geliebtes Kind, das er mühsam aufgebaut hat, einfach an den Nächstbesten weitergeben."
Im IHK-Bezirk Potsdam ist bereits jeder fünfte Unternehmer älter als 50 Jahre. "So ein Übergabeprozess kann aber fünf bis sieben Jahre dauern", sagte der dortige Berater Andreas Lehmann, auch das sei vielen nicht bewusst. Lehmann glaubt auch, dass heute mehr Unternehmerkinder einen Angestelltenvertrag bevorzugen, in der Hoffnung auf sicheres Geld bei weniger Arbeit.
Richtigen Zeitpunkt verschlafen
Der Berliner Unternehmensberater Andreas Schreiner sieht auch ein Ost-Problem: "Wir hatten vor 15 Jahren eine Gründerstruktur, die schon über 40 war." Viele aus dieser Generation verschliefen derzeit den richtigen Zeitpunkt, mit der Nachfolgersuche zu beginnen. "Wer beschäftigt sich schon gern mit dem Ausstieg, wenn er noch voll im Saft steht?" Zudem pflegten viele Gründer aus der Nachwendezeit einen patriarchalischen Führungsstil; Nachfolger aufzubauen falle ihnen schwer.
Auch die Fredersdorferin Margrit Bühler rät, früh mit der Suche zu beginnen, aber nicht gleich Ja zu sagen. Man brauche auch Zeit, sich kennenzulernen, gemeinsame Ziele für das Unternehmen zu formulieren. "Wir haben heute zwar nicht immer die gleichen Ansichten", berichtet die Unternehmerin über ihren Nachfolger. "Aber wir können normal miteinander diskutieren."
Der Berliner Unternehmensberater Andreas Schreiner sieht auch ein Ost-Problem: "Wir hatten vor 15 Jahren eine Gründerstruktur, die schon über 40 war." Viele aus dieser Generation verschliefen derzeit den richtigen Zeitpunkt, mit der Nachfolgersuche zu beginnen. "Wer beschäftigt sich schon gern mit dem Ausstieg, wenn er noch voll im Saft steht?" Zudem pflegten viele Gründer aus der Nachwendezeit einen patriarchalischen Führungsstil; Nachfolger aufzubauen falle ihnen schwer.
Auch die Fredersdorferin Margrit Bühler rät, früh mit der Suche zu beginnen, aber nicht gleich Ja zu sagen. Man brauche auch Zeit, sich kennenzulernen, gemeinsame Ziele für das Unternehmen zu formulieren. "Wir haben heute zwar nicht immer die gleichen Ansichten", berichtet die Unternehmerin über ihren Nachfolger. "Aber wir können normal miteinander diskutieren."




