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Unternehmensnachfolge regeln

Klammern am Lebenswerk

Focus Online.de   (26-08-2008)
Unternehmensnachfolge regeln

Mit Ablauf des zweiten Jahrzehnts nach der Wende tritt eine ganze Gründergeneration ab. Doch besonders im Osten Deutschlands scheuen sich Unternehmer lange, einen Nachfolger für ihren Betrieb zu suchen.
Ist die Unternehmensnachfolge geregelt, kann der Ruhestand kommen

Es waren sehr eigenartige Männer, die vor einigen Jahren bei Margrit Bühler vorstellig wurden: "Die dachten, Selbstständigkeit heißt: mit der Zigarre im Sessel sitzen und die anderen arbeiten lassen." Bühler war damals 56 und suchte einen Nachfolger für ihr Lebenswerk, ein Elektronikunternehmen mit 30 Beschäftigten in Frederdorf (Märkisch-Oderland). Nun ist die Unternehmerin 61, hat endlich den Geeigneten gefunden und zieht sich langsam zurück. Tausende Unternehmen haben diesen schweren Schritt noch vor sich. Mit Ablauf des zweiten Jahrzehnts nach der Wende tritt eine ganze Gründergeneration ab. Doch immer weniger Chefs finden einen geeigneten Nachfolger. Und viele suchen erst gar nicht.
Richtigen Zeitpunkt verschlafen
Der Berliner Unternehmensberater Andreas Schreiner sieht auch ein Ost-Problem: "Wir hatten vor 15 Jahren eine Gründerstruktur, die schon über 40 war." Viele aus dieser Generation verschliefen derzeit den richtigen Zeitpunkt, mit der Nachfolgersuche zu beginnen. "Wer beschäftigt sich schon gern mit dem Ausstieg, wenn er noch voll im Saft steht?" Zudem pflegten viele Gründer aus der Nachwendezeit einen patriarchalischen Führungsstil; Nachfolger aufzubauen falle ihnen schwer.

Auch die Fredersdorferin Margrit Bühler rät, früh mit der Suche zu beginnen, aber nicht gleich Ja zu sagen. Man brauche auch Zeit, sich kennenzulernen, gemeinsame Ziele für das Unternehmen zu formulieren. "Wir haben heute zwar nicht immer die gleichen Ansichten", berichtet die Unternehmerin über ihren Nachfolger. "Aber wir können normal miteinander diskutieren."