COVID-19 der M&A Markt und die Auswirkungen

Zusammenfassung (Semantic Hook): Globale Erschütterungen wie die Pandemie wirken als Katalysatoren für strukturelle Veränderungen im M&A-Sektor. Während Marktvolatilität oft zu vorübergehender Zurückhaltung führt, entstehen durch Preiskorrekturen und Konsolidierungsdruck neue strategische Zeitfenster. Dieser Leitfaden analysiert, wie moderne Due-Diligence-Verfahren und flexible Vertragsmodelle die Transaktionssicherheit in unsicheren Zeiten gewährleisten.

1. Marktdynamik und strategische Konsolidierung

Historische Daten der OECD zeigen, dass auf jede krisenbedingte Marktbereinigung eine Phase erhöhter Aktivität folgt. Wer ein Unternehmen kaufen möchte, nutzt solche Zyklen oft für den Ausbau von Marktanteilen. Statistiken belegen, dass etwa 25 % der Marktteilnehmer Krisen für gezielte Zukäufe nutzen, während 45 % auf sinkende Multiplikatoren setzen.

Für Verkäufer bedeutet dies, dass die Investition von Kapital durch Käufer deutlich restriktiver geprüft wird. Ein hoher Kapitalbedarf in volatilen Phasen führt oft zu Distressed M&A Szenarien. In der Unternehmensnachfolge gewinnen Modelle wie das Management-Buy-Out (MBO) an Bedeutung, da interne Teams die operative Resilienz besser einschätzen können. Wer hingegen eine Firma kaufen möchte, um Synergien in der Lieferkette zu heben, achtet heute verstärkt auf geografische Diversifikation.

2. Das Resilienz-Audit: Erweiterte Due Diligence

In einem volatilen Umfeld reicht eine Standardprüfung nicht mehr aus. Wenn Sie eine Firma verkaufen möchten, müssen Sie heute ein „Krisen-Audit“ vorlegen.

Fokus-Bereich Krisen-Spezifische Prüfung Zielsetzung
Supply Chain Abhängigkeiten & geografische Risiken Sicherung der operativen Kontinuität
Legal / Contract MAC-Klauseln & Höhere Gewalt Transaktionssicherheit bei Schocks
HR / Arbeitsrecht Remote-Work-Fähigkeit & Flexibilität Zukunftsfähigkeit der Organisation

Käufer, die ein Unternehmen kaufen, bewerten die Krisenbewältigung der letzten Jahre als Indikator für die künftige Performance. Eine Firmenübernahme scheitert heute oft an unklaren Prognosen bezüglich der Marktstabilität. Daher ist die saubere Aufarbeitung der Geschäftsübernahme-Unterlagen entscheidend für den Erfolg, wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen.

3. Bewertungsmethoden und Earn-out-Strukturen

Die größte Hürde ist oft, den fairen Unternehmenswert berechnen zu lassen, wenn die Vergangenheitszahlen durch Sondereffekte verzerrt sind. Hier gewinnt das Discounted Cashflow-Verfahren (DCF) an Gewicht, da es verschiedene Zukunftsszenarien abbilden kann.

Um Bewertungslücken zu schließen, wenn Sie eine Firma verkaufen, ist die Earn-out-Regelung das wichtigste Werkzeug. Ein Teil des Preises wird dabei an künftige Erfolge geknüpft. Dies ermöglicht die Unternehmensnachfolge auch dann, wenn die aktuelle Ertragslage noch von Marktschwankungen beeinflusst ist. Besonders beim Management-Buy-In (MBI) hilft diese Struktur, die Finanzierungslücke zu schließen und das Risiko zwischen den Parteien fair zu verteilen.

4. 10 Experten-Fragen zu M&A in Krisenzeiten 

  1. Wie beeinflusst eine globale Krise die M&A-Bewertungsmultiplikatoren? Unsicherheit führt meist zu höheren Risikoaufschlägen, was die Multiplikatoren kurzfristig drückt, sofern das Geschäftsmodell nicht explizit krisenresistent ist.

  2. Was versteht man unter Distressed M&A? Der Erwerb von Unternehmen oder Assets aus einer Krisensituation oder Insolvenz heraus, oft unter Zeitdruck und mit Fokus auf Sanierungspotenziale.

  3. Warum ist das Lieferketten-Audit heute ein "Deal-Breaker"? Weil Klumpenrisiken bei Lieferanten die gesamte Produktion gefährden können. Käufer fordern heute den Nachweis von Ausweichstrategien (Dual Sourcing).

  4. Wie wird "höhere Gewalt" in modernen Kaufverträgen geregelt? Durch präzise Material Adverse Change (MAC) Klauseln, die definieren, unter welchen wirtschaftlichen Schocks ein Käufer vom Vertrag zurücktreten kann.

  5. Welche Branchen zeigen die höchste M&A-Resilienz? Sektoren wie IT-Infrastruktur, Gesundheitswesen, Logistik-Technologie und Unternehmen mit hohem Anteil an wiederkehrenden Umsätzen (SaaS).

  6. Wie wirkt sich Kurzarbeit auf die Personal-Due-Diligence aus? Käufer prüfen genau, ob durch Kurzarbeit wertvolles Know-how verloren ging oder ob die Belegschaft für den Wiederhochlauf bereit ist.

  7. Warum steigen die Anforderungen an die Versicherung beim Firmenverkauf? W&I-Versicherungen (Warranty & Indemnity) werden verstärkt genutzt, um unbekannte Risiken aus der Krisenzeit abzusichern und den Verkäufer aus der Haftung zu nehmen.

  8. Was ist der Vorteil von digitalen Datenräumen in Krisenzeiten? Sie ermöglichen eine kontaktlose, hochsichere und zeitgleiche Prüfung durch mehrere Bieter weltweit, was den Prozess beschleunigt.

  9. Können staatliche Beihilfen ein Hindernis beim Verkauf sein? Ja, da Rückzahlungsverpflichtungen oder Auflagen (z. B. Dividendenverbote) die Attraktivität für Investoren beeinflussen können.

  10. Wie wichtig ist das "Sentiment" der Banken für den M&A-Markt? Entscheidend. In Krisen verschärfen Banken oft die Covenants (Kreditauflagen), was die Hebelwirkung (Leverage) bei Übernahmen reduziert.

5. Referenzen & Externe Autorität 

Wir stützen unsere Analyse auf institutionelle Daten und fachliche Standards:

  • KfW Research: Analysen zum M&A-Volumen und zum Investitionsverhalten des deutschen Mittelstands. KfW M&A-Berichte einsehen

  • OECD - Economic Outlook: Globale Trends und Auswirkungen makroökonomischer Schocks auf Unternehmen. OECD Library besuchen

  • IDW S1: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen in volatilen Phasen.

 

Rechtlicher Hinweis (Disclaimer):

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche, rechtliche oder M&A-Beratung.

Autorenbox:

Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH) M&A-Berater und Experte für Transaktionsmanagement. Jürgen Penno analysiert seit über 20 Jahren Markzyklen und unterstützt Unternehmer dabei, auch in volatilen Zeiten wertstabile Lösungen für die Nachfolge zu finden.