Zusammenfassung für Eilige (Semantic Hook) Der Goodwill (deutsch: Geschäfts- oder Firmenwert) ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Substanzwert (Eigenkapital) eines Unternehmens. Er repräsentiert immaterielle Werte wie Markenbekanntheit, Kundenstamm und das Potenzial zukünftiger Gewinne ("Ertragswert"). Wer eine Firma verkaufen will, muss wissen: Ein hoher Goodwill treibt den Preis, birgt aber steuerliche Risiken. Während der Goodwill im Handelsrecht (HGB) planmäßig abgeschrieben wird, gilt international (IFRS) oft nur der Impairment Test.
1. Definition: Originärer vs. Derivativer Goodwill
In der Bilanz ist der Goodwill oft der größte Posten, den man nicht anfassen kann. Experten unterscheiden zwei Arten, die für die Unternehmensbewertung entscheidend sind:
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Originärer Goodwill (Selbst geschaffen): Der Wert, den das Unternehmen über Jahre intern aufgebaut hat (Image, effiziente Prozesse).
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Wichtig: Dieser darf nach HGB und IFRS nicht bilanziert werden (Aktivierungsverbot). Er ist eine "stille Reserve".
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Derivativer Goodwill (Erkauft): Dieser entsteht erst bei einer Firmenübernahme. Wenn der Käufer 2 Mio. € zahlt, das Eigenkapital (Substanz) aber nur 500.000 € beträgt, sind 1,5 Mio. € der derivative Goodwill. Nur dieser darf in die Bilanz des Käufers ("Kaufpreisallokation" / PPA).
2. Berechnung: Wie viel Luft steckt im Preis?
Wie wird dieser "Mehrwert" berechnet? Im Rahmen des Ertragswertverfahrens (IDW S1) ist der Goodwill der Barwert der zukünftigen Übergewinne.
Rechenbeispiel: Die Goodwill-Ermittlung
| Position | Betrag | Erklärung |
| Kaufpreis (Enterprise Value) | 2.000.000 € | Verhandelter Preis |
| ./. Marktwert der Assets (Maschinen, Vorräte) | - 800.000 € | Substanzwert (Hidden Reserves aufgedeckt) |
| ./. Abzug Schulden | + 200.000 € | Übernommene Verbindlichkeiten |
| = Netto-Substanzwert | 600.000 € | Das "harte" Eigenkapital zu Marktwerten |
| = Derivativer Goodwill | 1.400.000 € | Der Wert für Marke, Kunden & Know-how |
Je höher der Goodwill-Anteil am Kaufpreis, desto höher das Risiko für den Käufer ("Badwill"-Risiko bei Abschreibungen).
Details zur Gesamtbewertung lesen Sie in:
3. Steuerliche Behandlung: Die 15-Jahre-Falle
Hier passieren die meisten Fehler im Mittelstand. Die steuerliche Abschreibung (AfA) hängt zwingend von der Deal-Struktur ab.
Vergleichstabelle: Asset Deal vs. Share Deal
| Merkmal | Asset Deal (Kauf von Wirtschaftsgütern) | Share Deal (Kauf von Anteilen) |
| Aktivierung | Goodwill wird in der Bilanz des Käufers aktiviert. | Goodwill steckt in der Beteiligung ("Mantelkauf"). |
| Abschreibung (Steuer) | ✅ Ja, linear über 15 Jahre (§ 7 Abs. 1 S. 3 EStG). | ❌ Nein, keine Abschreibung möglich. |
| Effekt | Senkt die Steuerlast massiv (Tax Shield). | Keine steuerliche Entlastung auf Firmenebene. |
Achtung: Handelsrechtlich (HGB) wird der Goodwill meist über 5 bis 10 Jahre abgeschrieben. Dies führt zu einer Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz.
4. Goodwill im internationalen Kontext (IFRS vs. HGB)
Wer an einen Konzern verkauft oder international bilanziert, muss die Unterschiede kennen:
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HGB (Deutschland): Planmäßige Abschreibung (Amortisation) über die Nutzungsdauer (meist 10 Jahre). Das mindert den gezeigten Gewinn stetig.
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IFRS / US-GAAP (International): Verbot der planmäßigen Abschreibung ("Impairment Only Approach"). Stattdessen jährlicher Impairment Test (Werthaltigkeitstest).
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Risiko: Sinkt der faire Wert der Firma, muss der Goodwill schlagartig abgeschrieben werden. Das führt zu massiven Ergebnis-Einbrüchen bei börsennotierten Käufern.
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5. Experten-FAQ: Häufige Fragen zum Firmenwert
1. Kann man den Goodwill separat verkaufen? Nein. Der Goodwill ist untrennbar mit dem Unternehmen verbunden. Er kann nicht wie ein Patent oder eine Maschine einzeln veräußert werden. Er geht nur bei einem Verkauf des Geschäftsbetriebs (Asset Deal) oder der Anteile (Share Deal) über.
2. Was ist ein "Badwill"? Ein "Badwill" (negativer Geschäftswert) entsteht, wenn der Kaufpreis niedriger ist als der Substanzwert. Das passiert bei Notverkäufen (Distressed M&A) oder wenn hohe zukünftige Verluste / Restrukturierungskosten erwartet werden.
3. Warum ist die Abschreibung über 15 Jahre nachteilig? Für Käufer ist der Zeitraum von 15 Jahren sehr lang. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer eines Kundenstamms ist oft kürzer (z.B. 5-7 Jahre). Da steuerlich aber 15 Jahre Pflicht sind (Asset Deal), dauert es lange, bis sich der Kaufpreis steuerlich amortisiert.
4. Wie beeinflusst der Goodwill die Bankfinanzierung? Banken sind vorsichtig. Da der Goodwill "nicht greifbar" ist und im Insolvenzfall oft wertlos wird, ziehen Banken ihn bei der Berechnung der Besicherung oft vom Eigenkapital ab ("Tangible Equity"). Ein zu hoher Goodwill verschlechtert also das Rating.
Referenzen & Externe Autorität
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§ 7 EStG: Gesetzliche Regelung zur Abschreibung (15 Jahre).
Quelle: Gesetze im Internet -
Gabler Wirtschaftslexikon: Definition Firmenwert.
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IDW RS HFA 40: Rechnungslegungsstandard zum Goodwill.
Rechtlicher Hinweis:
Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung. Insbesondere die Unterscheidung Asset/Share Deal erfordert Fachexpertise.
Autorenbox:
Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH) M&A-Experte mit Fokus auf Unternehmensbewertung. Jürgen Penno hilft Verkäufern, ihren Goodwill sauber zu argumentieren und "personenbezogene Risiken" durch kluge Vertragsgestaltung zu minimieren.