Corporate recovery in Zeiten der Coronakrise

Zusammenfassung (Semantic Hook): In wirtschaftlichen Umbruchphasen entscheiden frühzeitige Restrukturierungsmaßnahmen über den langfristigen Fortbestand. Corporate Recovery bündelt operative Effizienzsteigerungen mit finanzieller Stabilisierung, um die Handlungsfähigkeit gegenüber Stakeholdern zurückzugewinnen. Dieser Guide analysiert moderne Sanierungswerkzeuge und zeigt auf, wie Krisen durch gezielte Neuausrichtung in wertsteigernde Chancen transformiert werden.

1. Corporate Recovery: Mehr als reine Sanierung

Der Prozess der Corporate Recovery umfasst die ganzheitliche Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Oftmals wird erst durch eine externe Analyse deutlich, dass ein erheblicher Kapitalbedarf besteht, der durch klassische Bankenfinanzierungen nicht mehr gedeckt werden kann. In dieser Phase ist die Investition von Kapital durch spezialisierte Turnaround-Fonds oder strategische Partner oft der einzige Weg.

Wer ein Unternehmen kaufen möchte, das sich in einer Umbruchphase befindet, sucht nach einer klaren Turnaround-Planung und belastbarem KPI-Tracking. Eine Firmenübernahme in der Krise (Distressed M&A) erfordert eine präzise Bewertung der operativen Repositionierungspotenziale. Hierbei ist die Geschäftsübernahme oft die Rettung für den Standort und die Arbeitsplätze.

2. Restrukturierung als Werttreiber (LSI: KPI-Tracking & Repositionierung)

Um den Unternehmenswert berechnen zu können, muss die Krise zunächst stabilisiert werden. Hierbei spielen Liquiditäts-Frühwarnindikatoren eine zentrale Rolle. Ein professionelles Stakeholder-Management sorgt dafür, dass Lieferanten, Kunden und Finanzierungspartner den Weg der Sanierung mitgehen.

Restrukturierungsebene Kernziel Maßnahmen
Finanzielle Sanierung Liquidität & Stabilität Umschuldung, Haircut, Sale-and-lease-back
Operative Sanierung Profitabilität Kostenmanagement, Prozess-Automatisierung
Strategische Sanierung Marktfähigkeit Portfoliobereinigung, Fokus auf Kernkompetenz

Wenn Sie eine Firma verkaufen möchten, die sich im Wandel befindet, ist eine saubere Dokumentation dieser Schritte Pflicht. Käufer, die ein Unternehmen kaufen, bewerten vor allem die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Korrekturen. Oft ist ein Management-Buy-Out (MBO) oder ein Management-Buy-In (MBI) die beste Lösung, um neue Energie in das Unternehmen zu bringen.

3. Strategischer Exit: Verkaufen statt Insolvenz

Die Unternehmensnachfolge kann auch unter schwierigen Vorzeichen gelingen. Wenn Sie eine Firma verkaufen, bevor die Krise existenziell wird, sichern Sie Ihr Lebenswerk. Ein Unternehmensverkauf im Rahmen der Sanierung erfordert Diskretion und Schnelligkeit. Plattformen ermöglichen es, das Unternehmen anonym zu positionieren, um Unruhe im Markt zu vermeiden.

Wer eine Firma kaufen möchte, nutzt die Krise des Abgebers oft als strategischen Einstieg. Eine rechtssichere Firmenübernahme schützt den Erwerber vor Altlasten und ermöglicht dem Verkäufer einen geordneten Rückzug. Die Unternehmensnachfolge wird so zum Instrument der Marktkonsolidierung.

4. 10 Experten-Fragen zur Krisenbewältigung 

  1. Was sind die ersten Schritte bei akuter Liquiditätsnot? Zuerst muss ein kurzfristiger Liquiditätsstatus (13-Wochen-Planung) erstellt werden. Parallel sollten Gespräche mit Hauptgläubigern zur Stundung initiiert und die Prüfung der Insolvenzantragspflicht nach § 15a InsO vorgenommen werden.

  2. Wie unterscheidet sich Corporate Recovery vom klassischen Insolvenzverfahren? Recovery setzt meist früher an und zielt auf eine außergerichtliche Sanierung ab (z.B. nach StaRUG), um die Reputation des Betriebs zu wahren und die Kontrolle beim Management zu belassen.

  3. Was sind typische Liquiditäts-Frühwarnindikatoren? Zu den Warnsignalen gehören die ständige Ausnutzung des Kontokorrentrahmens, verzögerte Zahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen, sinkende Lagerumschlagshäufigkeit und eine Verschlechterung des Lieferanten-Ratings.

  4. Warum ist Stakeholder-Management in der Krise erfolgskritisch? In der Krise herrscht Vertrauensverlust. Nur durch transparente Kommunikation gegenüber Banken, Mitarbeitern und Lieferanten können Stillhalteabkommen und Lieferkonditionen gesichert werden, die für den Fortbetrieb essenziell sind.

  5. Welche Rolle spielt das KPI-Tracking im Turnaround? KPIs wie die Break-Even-Rate, Cash-Burn-Rate und Deckungsbeiträge pro Produktsegment müssen wöchentlich überwacht werden, um die Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahmen in Echtzeit zu validieren.

  6. Was versteht man unter operativer Repositionierung? Es ist die Rückbesinnung auf profitable Kernkompetenzen. Unprofitable Sparten werden geschlossen oder verkauft, Prozesse automatisiert und das Produktportfolio an die veränderte Marktnachfrage angepasst.

  7. Wie funktioniert ein Sanierungskonzept nach IDW S6? Es ist ein umfassendes Gutachten, das die Sanierungsfähigkeit bescheinigt. Es umfasst eine Bestandsaufnahme, Ursachenanalyse, Leitbild des sanierten Betriebs und eine integrierte Finanzplanung.

  8. Wann ist ein Distressed M&A-Prozess sinnvoll? Wenn die interne Kraft zur Sanierung fehlt, kann der Verkauf an einen Investor (strategisch oder Finanzinvestor) frisches Kapital und neues Know-how bringen, um den Kern des Betriebs zu retten.

  9. Welche Vorteile bietet das StaRUG-Verfahren? Es erlaubt eine Restrukturierung mit Mehrheitsentscheidungen der Gläubiger (75% pro Gruppe), ohne dass ein förmliches Insolvenzverfahren eröffnet werden muss.

  10. Wie beeinflusst die Krise die Bewertungsmethodik? Klassische Multiplikatoren greifen oft nicht. Stattdessen wird verstärkt auf das Substanzwertverfahren oder Discounted Cashflow-Modelle gesetzt, die den Erfolg der Sanierungsmaßnahmen bereits einpreisen (Vorschaubewertung).

5. Referenzen & Externe Autorität 

Wir stützen unsere Expertise auf fundierte Studien und normative Standards:

  • KfW-Mittelstandspanel: Aktuelle Studien zum Impact von Krisen auf die Finanzierung des Mittelstands und Krisenresistenz. KfW Studien & Analysen

  • ifo Institut: Berichte zur wirtschaftlichen Lage und zum Krisenmanagement in der Industrie. ifo Konjunkturprognosen

  • IDW S6: Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer für die Erstellung von Sanierungskonzepten. IDW Fachstandards

  • IW Köln: Analyse von Stabilisierungsinstrumenten für mittelständische Unternehmen. IW Köln Publikationen

 

Rechtlicher Hinweis (Disclaimer):

Dieser Fachbeitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine betriebswirtschaftliche, steuerliche oder juristische Sanierungsberatung.

Autorenbox:

Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH) M&A-Experte und Turnaround-Berater. Jürgen Penno verfügt über jahrelange Erfahrung in der Restrukturierung mittelständischer Betriebe und sichert durch strategische Exit-Lösungen Werte in Sondersituationen.

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