Ein Geschäftstransfer kostet Geld. In diesem Artikel werden verschiedene Arten der Finanzierung hervorgehoben, die während einer Unternehmensübernahme auftreten können.
Heutzutage bestehen die meisten Finanzierung aus verschiedenen Bausteinen. Auf diese Weise können neben den bekannten Finanzierungsarten ( Bank, Investoren, Eigenkapital und Mikrofinanz) weitere  Finanzierungsmöglichkeiten für eine Unternehmensübernahme genutzt werden.  Finanzierungsnachfrage und -angebot kommen so mit Kapitalanforderungen und Kapitalangebotsprofilen zusammen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ein Geschäftstransfer von mehreren Parteien finanziert wird, zum Beispiel durch einen Teil Ihres Eigenkapitals, aus klassischen Bankkrediten, sowie durch Darlehen des Verkäufers. Auf diese Weise kann eine Unternehmensübernahme oft erfolgreich realisiert werden.
Im Folgenden finden Sie sechs mögliche Finanzierungsarten mit einem Beispiel, das Ihnen im Falle einer Firmenübernahme von Nutzen sein könnte.

Förderkredite

Förderkredite sind ein attraktives Finanzierungsinstrument, da hierbei die die Zinsen wesentlich niedriger als bei einem regulären Bankkredit sind. Sie sind daher oft an eine Finanzierungszweck gebunden.  Die KfW ist die größte Förderbank. Sie vergibt unter anderem Förderkredite für Gründer in ganz Deutschland. Fördermittel der KfW erleichtern oft die Existenzgründung, spielen aber auch bei Finanzierungen für etabliere Unternehmen eine Rolle.Darüber hinaus gibt es in allen Bundesländern eigene Förder- beziehungsweise Investitionsbanken mit teilweise noch besser zu Ihnen passenden Kreditprogrammen.
Unabhängig davon, ob sie von der KfW oder einer regionalen Förderbank Geld erhalten, die erste Anlaufstelle ist fast immer ihre Hausbank. Sie prüft den Antrag, und leitet diesen direkt an die Förderbank weiter.

Sicherstellung der Finanzierung durch eine Bürgschaft

In dem Falle, dass der Unternehmenskäufer nicht genügend Eigenmittel zur Absicherung der Kredite besitzt, kann die landesspezifische Bürgschaftsbank in den Prozess einbezogen werden. Diese gibt unter bestimmten Bedingungen eine Bürgschaft für bis zu 80% der Kredithöhe bei einem Volumen von maximal 1,20 Mio. Euro. Bei einer Zusicherung wird die Ausfallbürgschaft als vollwertige Sicherheit akzeptiert und legt somit den Grundstein für die Finanzierung. Für den Antrag muss der Unternehmenskäufer einen Businessplan mit einem tragfähigen Unternehmenskonzept bei seiner Hausbank vorlegen. Die Bürgschaft kann aber auch ohne eine Hausbank beantragt werden.

Bankdarlehen / Kredit

Der Darlehns- oder  Kreditnehmer stellt bei einer Bank einen Antrag auf den Kredit. Das Kreditinstitut prüft daraufhin die Bonität. Fällt diese Prüfung positiv aus, überweist das Kreditinstitut die beantragte Summe auf das Konto des Darlehensnehmers. Dieser verpflichtet sich, die geliehen Summe inklusive Zinsen in einem bestimmten, vorab vereinbarten Zeitraum zurückzuzahlen. Erfolgt diese Rückzahlung in Form von monatlichen Raten, dann spricht man von einem Ratenkredit. Wie lange die Laufzeit ist, legen Kreditnehmer und -geber im Darlehensvertrag fest. Bei den meisten Banken sind das Laufzeiten zwischen einem und fünfzehn Jahren. Manche Banken bieten die Möglichkeit von kostenlosen Sondertilgungen oder vorzeitigen Rückzahlungen.
Beispiel: Die Länge der Laufzeit bestimmt die Höhe der monatlichen Raten. Je länger die Laufzeit ist, desto geringer sind die monatlichen Raten. Im Gegenzug dazu fallen dann höhere Gesamtzinsen an, was das Bankdarlehen insgesamt teurer macht.

Das nachrangige Darlehen

Ein nachrangiges Darlehen bedeutet, dass die Bank welche Ihnen das Darlehen zur Verfügung stellt mit dem sogenannten Mezzanine-Kapital im Rang hinter die Forderungen der anderen Gläubiger zurücktritt. Es dient in erster Linie dazu Finanzierungslücken zwischen Fremd- und Eigenkapital in der Kapitalstruktur, z. B. bei Wachstums- und Akquisitionsfinanzierungen, Nachfolgeregelungen, sowie bei MBO und MBI aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu schließen. Das nachrangige Darlehen erhöht die Zahlungsfähigkeit, da dies von einem Finanzier als Eigenkapital angesehen wird. Hierdurch soll zudem eine Überschuldung des Unternehmens vermieden werden. 

Beispiel: Sie übernehmen ein Restaurant für 500.000 €. Die Hälfte dieser Akquisitionssumme wird von der Bank finanziert. Sie finanzieren ein Viertel über Eigenkapital. Die verbleibenden 125.000 € werden über ein nachrangiges Darlehen finanziert. Sie steigern dadurch Ihren Eigenkapitalanteil. 

Earn-Out

Ist eine Klausel in einem Kaufvertrag die einen Anteil des Kaufpreises, der zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt wird definiert. Diese Form wird normalerweise für eine Unternehmensübernahme verwendet, wenn eine große Komponente des Firmenwerts in der Gesellschaft vorhanden ist, die nicht von der Bank oder Ihnen finanziert werden kann. Weitaus häufigster Grund, weswegen Vertragsparteien eine Earn-Out-Klausel in einen Unternehmenskaufvertrag aufnehmen, sind unterschiedliche Erwartungen bezüglich der zukünftigen Ertragskraft des Unternehmens.
 
Beispiel: Sie übernehmen ein Unternehmen im Einzelhandel für 100.000 €. Der Geschäfts- oder Firmenwert besteht hauptsächlich aus dem Kundenstamm. Es besteht jedoch kein Kontakt zu diesen Kunden, daher ist die Kaufpreis nicht werthaltig. In diesem Fall können Sie beispielsweise einen Teil der Unternehmensübernahme mit einer Mikrofinanzierung in Höhe von 50.000 € und die verbleibenden 50.000 € in Form einer Earn-out finanzieren. Der Basiskaufpreis wird zum Übergangszeitpunkt gezahlt, wohingegen der Zusatzkaufpreis zu einem späteren Zeitpunkt in Abhängigkeit vom Erreichen der in der Earn-Out-Klausel definierten Erfolgsgrößen bezahlt wird.

Verpachtung des Unternehmens

Der Kaufpreis wird in Raten gezahlt und Sie sind erst Eigentümer, wenn die letzte Zahlungsfrist bezahlt ist. Der Nachteil ist, dass Sie während dieser Mietzeit nicht Eigentümer der von Ihnen übernommenen Firma sind. Ein großer Vorteil ist, dass Sie die Übernahmesumme nicht vollständig finanzieren müssen.
 
Beispiel: Durch diesen Mietaufbau übernehmen Sie eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für 250.000 €. Sie einigen sich mit dem Verkäufer , 50.000 € pro Jahr für einen Zeitraum von 5 Jahren zurückzuzahlen. Wenn die letzte Rate erfüllt ist, ist das Unternehmen rechtlich in ihren Eigentum übergegangen.

Beteiligungskapital

In der Unternehmensfinanzierung existieren noch weitere Option, die den Anspruch der Selbstbestimmung durch den Unternehmer und die Notwendigkeit einer Erweiterung des Eigenkapitals gleichermaßen Bedeutung beimessen. Die „stille Beteiligung“ eines weiteren Gesellschafters mit eingeschränkten Rechten in der Mitsprache als Finanzierungsform erlebt aktuell eine regelrechte Renaissance.
Die stille Beteiligung ist im kleinen Maßstab in etwa vergleichbar mit den am Aktienmarkt gehandelten Vorzugsaktien. Der Inhaber ist Miteigentümer, wird aber bei der Mitsprache in der Unternehmensleitung benachteiligt, dafür aber bei der Gewinnausschüttung bevorzugt.
 
Nach diesem Prinzip sind unter dem Dach der Beteiligungsfinanzierer  (z.B. im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften ) mittlerweile eine Reihe von spezialisierten Finanz-Firmen entstanden. Diese haben sich auf entsprechende Branchen, den Mittelstand oder auf bestimmte Ober- und Untergrenzen in der Finanzierung beim Unternehmenskauf spezialisiert.
 
Beispiel: Der Effekt einer Beteiligung (stille Beteiligung) – unabhängig von der Größe des Partners – ist immer der Gleiche: Die Eigenkapitalisierung verbessert sich und die Eigenkapitalquote des betroffenen Unternehmens steigt. Damit kommen Unternehmen wieder leichter in die Lage fremde Kapitalquellen und insbesondere langfristige Kredite über Banken zu erschließen. Basis aller Finanzierungsüberlegungen bleibt selbstverständlich ein tragfähiges Unternehmens-Konzept und ein Businessplan, der sowohl Beteiligungsgesellschaften als auch Banken überzeugt.