Zusammenfassung (Semantic Hook) Ein Management-Buy-In (MBI) bezeichnet die Geschäftsübernahme eines Unternehmens durch externes Management. Anders als beim Management-Buy-Out (MBO), wo interne Führungskräfte kaufen, kommt der Käufer hier von außen. Für den deutschen Mittelstand ist das MBI die Antwort auf das Nachfolgeproblem: Erfahrene Manager kaufen sich in etablierte Firmen ein, statt bei Null zu gründen. Die größte Hürde ist oft nicht die Qualifikation, sondern die MBI Finanzierung und die Informationsasymmetrie ("Black Box") gegenüber dem Verkäufer.
1. Definition & Abgrenzung: MBI vs. MBO vs. LBI
Im M&A-Jargon werden die Begriffe oft verwechselt. Für die Unternehmensnachfolge ist die Unterscheidung jedoch essenziell, da die Risikoprofile völlig unterschiedlich sind.
Vergleichstabelle: Die Buy-Out-Formen im Check
| Merkmal | Management-Buy-In (MBI) | Management-Buy-Out (MBO) |
| Käufer | Externer Manager (Fremder) | Internes Management (Mitarbeiter) |
| Wissen | Gering (Informationsdefizit) | Hoch (Internes Know-how) |
| Risiko | Hoch ("Katze im Sack") | Moderat (Operatives Geschäft bekannt) |
| Preis | Oft höher (Marktpreis) | Oft niedriger ("Loyalitäts-Rabatt") |
| Finanzierung | Eigenkapital + Bank + Fördermittel | Oft über Vendor Loan + Cashflow |
Semantischer Hinweis: Wird die Übernahme überwiegend durch Fremdkapital finanziert, spricht man von einem Leveraged Buy-In (LBI).
2. Der MBI Prozess: In 5 Schritten zur Übernahme
Ein MBI ist komplexer als eine Neugründung. Der Prozess dauert im Schnitt 6 bis 18 Monate.
3. Die MBI Finanzierung: Die größte Hürde
Da externe Manager selten Millionen auf dem Konto haben, ist die Finanzierung der Knackpunkt. Eine typische Struktur ("Deal Structure") sieht so aus:
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10–20 % Eigenkapital: Das "Skin in the Game" des Managers. Ohne eigenes Geld finanzieren Banken nicht.
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40–60 % Senior Loan: Klassischer Bankkredit, besichert durch die Assets der Zielfirma (sofern möglich).
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20–30 % Verkäuferdarlehen (Vendor Loan): Der Alt-Inhaber stundet einen Teil des Kaufpreises. Das stärkt das Vertrauen der Banken, da es als "wirtschaftliches Eigenkapital" gewertet wird.
Mehr zur Strukturierung lesen Sie in:
4. Chancen und Risiken für den Mittelstand
Warum sollte ein Inhaber an einen "Fremden" verkaufen?
Vorteile (Chancen):
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Neue Impulse: Der externe Blick (Outside-In-Perspektive) deckt oft ungenutzte Potenziale auf.
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Höherer Preis: Externe Bieter zahlen oft mehr als interne Mitarbeiter, die weniger Kapital haben.
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Lösung der Nachfolgelücke: Wenn familienintern kein Nachfolger bereitsteht, ist der MBI oft die einzige Alternative zur Liquidation.
Nachteile (Risiken):
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Kultur-Schock: Der neue "Chef" wird von der Belegschaft oft skeptisch gesehen ("Der Neue kennt uns nicht").
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Informationsdefizit: Trotz Due Diligence kennt der MBI-Kandidat die "Leichen im Keller" nicht so gut wie ein MBO-Kandidat.
5. 10 Strategische Experten-Fragen zum Management-Buy-in (FAQ)
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Was ist der größte Vorteil eines MBI für den Verkäufer? Ein MBI öffnet den Bieterkreis für externe Experten und Investoren, was oft zu einem höheren Marktpreis führt als eine interne Lösung.
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Wie finde ich geeignete MBI-Kandidaten? Über spezialisierte Plattformen wie firmenzukaufen.de, die ein anonymes Matching zwischen Inhabern und kaufwilligen Managern ermöglichen.
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Wie hoch muss das Eigenkapital beim MBI sein? In der Regel erwarten Banken 20–30 % Eigenmittel des Management-Teams, wobei Investoren diesen Anteil stützen können.
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Was versteht man unter einem Search Fund im MBI-Kontext? Ein Modell, bei dem Investoren einem Manager vorab Kapital bereitstellen, damit dieser gezielt nach einem Zielunternehmen sucht.
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Welche Rolle spielt die Due Diligence? Da die Käufer extern sind, ist eine intensive Prüfung (Financial, Legal, Commercial) essenziell, um versteckte Risiken zu identifizieren.
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Ist ein MBI auch bei kleinen Firmen möglich? Ja, sofern das Geschäftsmodell skalierbar ist und eine ausreichende Cashflow-Marge zur Schuldentilgung bietet.
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Was passiert mit den Alt-Gesellschaftern? Häufig bleiben diese im Rahmen einer Übergangsphase als Berater oder Minderheitsgesellschafter (Rückbeteiligung) an Bord.
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Wie wird der Unternehmenswert beim MBI ermittelt? Meist nach dem Ertragswertverfahren (IDW S1) oder durch marktorientierte EBIT-Multiplikatoren.
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Was ist ein Secondary Buy-out? Wenn ein MBI-Manager das Unternehmen nach einigen Jahren der Wertsteigerung an einen strategischen Käufer oder einen weiteren Finanzinvestor weiterverkauft.
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Warum scheitern MBIs? Meist an kulturellen Differenzen zwischen dem alten Team und dem neuen Management oder an einer zu hohen Verschuldung (Over-Leverage).
Referenzen & Externe Autorität
Wir stützen unsere Definitionen auf anerkannte Wirtschaftslexika und Institutionen:
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Gabler Wirtschaftslexikon: Definition Management-Buy-In.
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KfW Mittelstandsbank: Förderprogramme für die Unternehmensnachfolge.
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DIHK Report: Statistiken zur Unternehmensnachfolge in Deutschland.
Rechtlicher Hinweis:
Dieser Beitrag stellt keine Finanzierungs- oder Rechtsberatung dar. Ein MBI erfordert professionelle Begleitung durch M&A-Berater und Anwälte.
Autorenbox:
Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH) Spezialist für Unternehmensnachfolge. Jürgen Penno begleitet MBI-Kandidaten von der Suche (Sourcing) über die Finanzierung bis zum erfolgreichen Closing und kennt die psychologischen Hürden zwischen Alt-Inhaber und neuem Manager.