Veröffentlicht am 14.10.2025 | Zuletzt fachlich und juristisch aktualisiert: Juli 2026
Das Wichtigste vorab: Die Evaluierung von Unternehmensnachfolge-Angeboten verlangt von Kaufinteressenten ein systematisches Pre-Due-Diligence-Screening. Dieser Master-Leitfaden beschreibt, wie Erwerber ein Verkäufer-Exposé objektiv analysieren, Fehlkäufe vermeiden und den tatsächlichen Kapitalbedarf ermitteln. Entlang des SUCCESSION-OFFER-AUDIT-FRAMEWORKS™, des dreidimensionalen Angebot-Qualitätswürfels™, der EBITDA-to-Cash-Bridge™ und des Total Acquisition Cost Modells™ analysieren Käufer die finanzielle Ertragskraft, Inhaberunabhängigkeit, juristische Haftungsrisiken (§ 25 HGB, § 75 AO, § 613a BGB) sowie die Kredittragfähigkeit (DSCR ge 1,20) für die Akquisitionsfinanzierung.
1. Unternehmensnachfolge-Angebote in Kürze
Die Prüfung von Angeboten zur Unternehmensnachfolge gliedert sich aus Käufersicht in drei Stufen:
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Stufe 1: Erst-Screening (Teaser/Exposé): Prüfung bezüglich strategischem Fit und Indikativ-Preis.
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Stufe 2: BWA-Bereinigung & Cashflow-Analyse: EBITDA-Normalisierung um den zukünftigen Managementaufwand.
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Stufe 3: Pre-LOI Risk-Check: Audit bezüglich Verträgen (§ 613a BGB, Change of Control) und Haftung (§ 25 HGB).
K.-o.-Kriterien vor der kostenintensiven Due Diligence sind verweigerte Finanznachweise, unreale Kaufpreiserwartungen und ungeklärte Inhaberabhängigkeiten.
2. Der Angebot-Qualitätswürfel™ (3D-Screening vor dem LOI)
Um ein Unternehmensnachfolge-Angebot objektiv zu bewerten, müssen Kaufinteressenten drei voneinander unabhängige Dimensionen trennen. Ein transparent aufbereitetes Exposé garantiert noch kein gutes Unternehmen – und ein exzellenter Betrieb kann ein unvollständiges Angebot besitzen.
➔ DER ANGEBOT-QUALITÄTSWÜRFEL™
Dimension A: Informationsqualität (Wie belastbar ist das Exposé?)
Vollständigkeit der BWAs & Jahresabschlüsse (25 %)
Nachvollziehbarkeit der BWA-Bereinigungen (20 %)
Konsistenz der Finanzkennzahlen (20 %)
Offenlegung wesentlicher Risiken (20 %)
Qualität des Datenraum-Index (15 %)
Dimension B: Unternehmensqualität (Wie gut ist das Zielunternehmen?)
Nachhaltige Ertragskraft & operative Cashflows (25 %)
Inhaberunabhängigkeit & zweite Führungsebene (20 %)
Kunden- & Umsatzqualität / Keine Klumpenrisiken (20 %)
Marktposition, Zukunftsfähigkeit & CapEx-Bedarf (15 %)
Management-, Team- & Mitarbeiterkultur (10 %)
Dimension C: Transaktionsfähigkeit (Ist der Deal finanzierbar?)
Kaufpreismultiple & Purchase Price Bridge (20 %)
Kapitaldienstfähigkeit ($DSCR \ge 1{,}20$) (20 %)
Proof of Funds / Eigenkapitalnachweis (15 %)
Vertragliche Übertragbarkeit & Change of Control (15 %)
Beherrschbare Haftungsstruktur (§ 25 HGB / § 75 AO) (15 %)
Bewertungsauswertung für Kaufinteressenten
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Profil A / A / A (Top-Angebot): Maximale Transparenz, hohe Ertragskraft, voll finanzierbar. Maßnahme: Indikatives Angebot abgeben und exklusiven LOI verhandeln.
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Profil A / B / A (Solider Standard-Deal): Transparente Zahlen, aber operativer Optimierungsbedarf. Maßnahme: Kaufpreis über BWA-Bereinigung anpassen.
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Profil C / A / B (Rohdiamant-Angebot): Exzellentes Unternehmen, aber unvollständiges Exposé. Maßnahme: Verkäufer bei der Datenaufbereitung unterstützen; Exklusivität sichern.
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Profil C / C / C (Risiko-Angebot): Unklare Zahlen, hohe Inhaberabhängigkeit, unverhältnismäßiger Preis. Maßnahme: Prozess sofort abbrechen.
3. Das SUCCESSION-OFFER-AUDIT-FRAMEWORK™
Wenn Kaufinteressenten eine Firma kaufen oder eine GmbH kaufen möchten, bietet das SUCCESSION-OFFER-AUDIT-FRAMEWORK™ eine 8-stufige Prüfungsstruktur:
➔ SUCCESSION-OFFER-AUDIT-FRAMEWORK™
1. Anonymes Teaser-Screening
Abgleich mit dem eigenen Käuferprofil: Branche, Region, Mindest-EBITDA, Kaufpreisrahmen.
Erfassen der ersten K.-o.-Kriterien (z. B. unlösbare Inhaberabhängigkeit).
2. NDA & Erstunterlagen-Anforderung
Unterzeichnung der Vertraulichkeitsvereinbarung (Non-Disclosure Agreement).
Anforderung von BWA der letzten 3 bis 5 Jahre, Summen- und Saldenlisten sowie Organigramm.
3. BWA-Bereinigung & Managementaufwand
Bereinigung der BWA um kalkulatorischen Unternehmerlohn und private Spesen.
Ermittlung der Differenz zwischen historischem Inhabergehalt und zukünftigem Managementaufwand.
4. EBITDA-to-Cash-Bridge & Kapitaldienst
Überleitung vom EBITDA zum verfügbaren Free Cashflow vor Schuldendienst.
Prüfung der Kredittragfähigkeit ($DSCR \ge 1{,}20$) aus Sicht der finanzierenden Bank.
5. Total Acquisition Cost (Gesamtkapitalbedarf)
Berechnung der Gesamtinvestition: Kaufpreis + M&A-Kosten + Working Capital + CapEx-Rückstau.
Wer ein Unternehmen kaufen will, muss die Investition von Kapital ganzheitlich planen.
6. Rechtliche & Haftungsrechtliche Vorprüfung
Strukturentscheidung: Share Deal (Anteilsübernahme) vs. Asset Deal (Wirtschaftsgüterkauf).
Haftungsscan: Publizitätsanforderungen nach § 25 Abs. 2 HGB und Steuerhaftung nach § 75 AO.
7. Vertragliches Kunden- & HR-Audit
Prüfung auf Kundenklumpenrisiken ($> 15\,\%$ Umsatzanteil an einem Kunden).
Identifikation von Change-of-Control-Sonderkündigungsrechten in Schlüsselverträgen.
8. LOI-Gestaltung & Exklusivität
Ausverhandeln der Kaufpreismechanik (Locked Box vs. Closing Accounts) im Letter of Intent (LOI).
Vereinbarung einer exklusiven Prüfphase (max. 60–90 Tage) für die finale Due Diligence.
4. Finanzielle Vorprüfung: Normalisierung & EBITDA-to-Cash-Bridge
Ein zentraler Fehler von Erwerbern besteht darin, das im Verkäufer-Exposé ausgewiesene EBITDA direkt für die Kaufpreisberechnung zu nutzen. Die Verkäuferrechnung spiegelt selten den realen Aufwand wider.
➔ FORMEL: NORMALISIERTES EBITDA
Normalisiertes EBITDA = Berichtetes EBITDA pm Sondereffekte pm Differenz zum marktüblichen Managementaufwand
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Differenz Managementaufwand: War der Alt-Inhaber mit einem Gehalt von 30.000 € tätig, ein externer Geschäftsführer kostet jedoch 140.000 €, sinkt das nachhaltige EBITDA um die Differenz von 110.000 €.
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Instandhaltungsstau (CapEx): Unterlassene Ersatzinvestitionen werden nicht im EBITDA korrigiert, sondern als eigener Abzugsposten in der Purchase Price Bridge berücksichtigt.
Die EBITDA-to-Cash-Bridge (Kapitaldienstfähigkeit)
Zur Bedienung von Bankkrediten dient nicht das EBITDA, sondern der tatsächliche Cashflow vor Schuldendienst.
➔ EBITDA-TO-CASH-BRIDGE (RECHENBEISPIEL)
Normalisiertes EBITDA: 600.000 €
./. Ertragssteuern (GmbH / GewSt & KSt ca. 30 %): -180.000 €
./. Reinvestitionen / Maintenance CapEx: -100.000 €
./. Working-Capital-Aufbau: -50.000 €
= Verfügbarer Cashflow für Schuldendienst: 270.000 €
Kapitaldienst-Check: Bei einem jährlichen Schuldendienst (Zins + Tilgung) von 200.000 € ergibt sich ein DSCR von 270.000 / 200.000 = mathbf 1,35. Damit ist die Kredittragfähigkeit gegeben (DSCR ge 1,20).
5. Total Acquisition Cost: Kaufpreis vs. Gesamtkapitalbedarf
Der Kaufpreis für die Anteile ist nur ein Teil der Gesamtinvestition. Kaufinteressenten berechnen den Gesamtkapitalbedarf nach der Total Acquisition Cost Formel:
Total Acquisition Cost = Kaufpreis (Equity Value) + M&A-Nebenkosten + Working-Capital-Bedarf + CapEx-Stau + Integrationskosten + Liquiditätsreserve - Übernommene liquide Mittel
Vergleichende Investitionsrechnung
➔ ANGEBOTSVERGLEICH NACH GESAMTKAPITALBEDARF
Angebot A (Maschinenbau):
Geforderter Kaufpreis (Equity Value): 2.500.000 €
M&A-Transaktionskosten (Anwalt, StB, Berater): 120.000 €
Erforderlicher Working-Capital-Aufbau: 250.000 €
Unterlassener Investitionsstau (CapEx): 400.000 €
Integrations- & Rebrandingkosten: 150.000 €
Sicherheits-Liquiditätsreserve: 250.000 €
Gesamter Kapitalbedarf (Total Acquisition Cost): 3.670.000 €
Angebot B (Softwarehaus):
Geforderter Kaufpreis (Equity Value): 2.750.000 €
M&A-Transaktionskosten (Anwalt, StB, Berater): 100.000 €
Erforderlicher Working-Capital-Aufbau: 80.000 €
Unterlassener Investitionsstau (CapEx): 50.000 €
Integrations- & Rebrandingkosten: 80.000 €
Sicherheits-Liquiditätsreserve: 150.000 €
Gesamter Kapitalbedarf (Total Acquisition Cost): 3.210.000 €
Erkenntnis: Angebot A wirkt beim Kaufpreis um 250.000 € günstiger. Aufgrund des hohen Investitionsstaus und Working-Capital-Bedarfs erfordert Angebot A jedoch einen um 460.000 € höheren Gesamtkapitalbedarf. Angebot B ist die wirtschaftlich attraktivere Firmenübernahme.
6. Founder Dependency Index™ (Inhaberabhängigkeit messen)
Ein Hauptrisiko bei der Geschäftsübernahme ist die personelle Abhängigkeit des Betriebs vom scheidenden Eigentümer. Der Founder Dependency Index™ misst dieses Risiko auf einer Skala von 0 bis 60 Punkten.
➔ FOUNDER DEPENDENCY INDEX™
Kundenbeziehungen (Max. 10 P.): Beziehungen liegen voll beim Inhaber (10 P.) vs. im Vertriebsteam verankert (0 P.).
Vertriebsstruktur (Max. 10 P.): Inhaber ist Hauptverkäufer (10 P.) vs. strukturierter Vertriebsprozess (0 P.).
Fach- & Prozesswissen (Max. 10 P.): Wissen nur im Kopf des Inhabers (10 P.) vs. SOPs dokumentiert (0 P.).
Führungsebene (Max. 10 P.): Keine zweite Führungsebene (10 P.) vs. Prokuristen im Amt (0 P.).
Lieferantenkontakte (Max. 10 P.): Persönliche Inhaberkontakte (10 P.) vs. institutionelle Verträge (0 P.).
Zulassungen / IP (Max. 10 P.): Qualifikation an Inhaberperson gebunden (10 P.) vs. auf Gesellschaft eingetragen (0 P.).
Index-Auswertung:
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0 – 15 Punkte (Geringe Abhängigkeit): Hohe Nachfolgereife. Schnelle Übergabe möglich.
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16 – 30 Punkte (Beherrschbare Abhängigkeit): Normale Einarbeitungsphase (3–6 Monate) vereinbaren.
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31 – 45 Punkte (Hohes Übergaberisiko): Längere Einarbeitung (12 Monate) & Earn-Out-Klausel erforderlich.
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46 – 60 Punkte (Kritisches Risiko): Übernahme ohne Inhaber nicht vollzugsfähig. Angebot zurückstellen.
7. Rechtliche & Haftungsrechtliche Vorprüfung
Die Wahl der Transaktionsstruktur bestimmt das rechtliche Risiko des Käufers.
1. Share Deal vs. Asset Deal aus Käufersicht
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Share Deal (Kauf von GmbH-Anteilen): Gesamtrechtsnachfolge. Der Käufer übernimmt die Gesellschaft samt Historie, Verträgen und potenziellen Altlasten. Vorteil: Hohe operative Kontinuität. Risiko: Käufer übernimmt die historische Haftung der Gesellschaft. Notarielle Beurkundung nach § 15 GmbHG zwingend.
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Asset Deal (Kauf von Wirtschaftsgütern): Einzelrechtsnachfolge. Der Käufer erwirbt gezielt ausgewählte Vermögenswerte. Achtung: Wird beim Asset Deal ein Handelsgeschäft unter der bisherigen Firma fortgeführt, kann § 25 HGB zur Haftung des Erwerbers für frühere Geschäftsverbindlichkeiten führen. Schutzmaßnahme: Vertraglicher Ausschluss UND unverzügliche Eintragung des Haftungsausschlusses im Handelsregister (§ 25 Abs. 2 HGB).
2. Arbeitsrecht & Steuerhaftung
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Betriebsübergang (§ 613a BGB): Beim Asset Deal treten Erwerber kraft Gesetzes in die Arbeitsverhältnisse ein. Die Mitarbeiter müssen vorab in Textform unterrichtet werden (1-monatige Widerspruchsfrist).
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Steuerliche Haftung (§ 75 AO): Beim Erwerb eines Betriebs im Ganzen haftet der Erwerber für betriebliche Steuern der letzten 12 Monate. Schutzmaßnahme: Anforderung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts.
8. K.-o.-Kriterien bei der Angebotsprüfung
Kaufinteressenten sollten ein Unternehmensnachfolge Angebot sofort abbrechen oder die Exklusivität verweigern, wenn folgende Warnsignale auftreten:
➔ K.-O.-KRITERIEN VOR DEM LOI
[ ] Verweigerter Einblick in BWA/Jahresabschlüsse: Verkäufer verweigert trotz unterzeichnetem NDA die Vorlage detaillierter Buchhaltungsnachweise.
[ ] Unlösbare Inhaberabhängigkeit: Founder Dependency Index > 45 Punkte ohne Bereitschaft zur Einarbeitung.
[ ] Ungeklärte Eigentumsverhältnisse: Gesellschafterliste oder Handelsregisterauszüge weisen Unstimmigkeiten auf.
[ ] Unübertragbare Hauptverträge: Hauptkunden besitzen Change-of-Control-Klauseln und Verkäufer verweigert Vorab-Klärung.
[ ] Versteckte Steuer- oder Umweltrisiken: Anhängige Betriebsprüfungen oder Altlasten ohne Bildung von Rückstellungen.
[ ] Mangelnde Kredittragfähigkeit: Der Free Cashflow deckt den notwendigen Schuldendienst nicht ab (DSCR < 1,0).
9. Empirische Plattformdaten von firmenzukaufen.de
Methodisch dokumentierte Auswertung von Angebotsevaluierungen auf firmenzukaufen.de:
➔ PLATTFORMDATEN / ANBOTS-STUDIE
1. Abweichung zwischen Kaufpreisforderung und Abschlusswert
Teilstichprobe (n = 126 dokumentierte Vollzüge): Die Erstforderung im Verkäufer-Exposé lag im Schnitt um 24 % über dem final verhandelten Transaktionswert.
Häufigste Ursache: Nachkorrektur des unvollständigen Inhaberlohns in der BWA-Bereinigung.
2. Die 3 häufigsten Datenmängel in Verkäufer-Exposés
52 %: Unvollständige BWA-Aufschlüsselungen und fehlende Inhaberlohn-Bereinigung.
28 %: Unberücksichtigte Change-of-Control-Klauseln in Kundenverträgen.
14 %: Ungeklärte arbeitsrechtliche Verhältnisse bei geplantem Asset Deal.
Methodenkasten:
Datengrundlage: Anonymisierte Plattformdaten von firmenzukaufen.de (Erhebungszeitraum: 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2025).
Grundgesamtheit: $n = 1.550$ analysierte Nachfolgeangebote (Umsatzklasse 0,5 Mio. € bis 15 Mio. €) im DACH-Raum.
Teilstichprobe Kaufpreisvergleich: n = 126 Transaktionen mit lückenlos dokumentierter Erstforderung und finalem notariellen Closing-Wert.
Auswertung: Deskriptiv; dient als Orientierungswert für den Mittelstand.
10. Vier standardisierte Praxisfälle aus der Kaufpraxis
Case 1: MBI-Kandidat entlarvt überhöhtes EBITDA im Exposé
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Käuferprofil: MBI-Manager prüft ein Angebot für ein IT-Systemhaus (geforderter Kaufpreis: 3,5 Mio. €).
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Prüfungsbefund: Im Exposé war das EBITDA mit 600.000 € angegeben. Das Gehalt des Alt-Inhabers war jedoch nur mit 30.000 € angesetzt.
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Korrektur: Der Käufer setzte ein marktübliches Gehalt von 150.000 € an. Das bereinigte EBITDA sank auf 480.000 €.
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Ergebnis: Kaufpreisverhandlung erfolgreich auf 2,8 Mio. € korrigiert.
Case 2: Rettung eines MBOs durch § 25 HGB Haftungsausschluss
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Käuferprofil: Zwei Führungskräfte übernehmen einen Großhandel via Management Buy-Out (MBO) im Wege eines Asset Deals.
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Prüfungsbefund: Risiko der Haftung für Altschulden des Inhabers.
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Lösung: Einbau des vertraglichen Haftungsausschlusses und unverzügliche Handelsregistereintragung (§ 25 Abs. 2 HGB).
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Ergebnis: Risikofreie Übernahme; erfolgreiche Einbindung von Bankkrediten.
Case 3: Aufdeckung eines Kundenklumpenrisikos bei Angebotsevaluierung
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Käuferprofil: Strategischer Käufer prüft Nachfolgeangebot eines Zulieferers.
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Prüfungsbefund: Beim BWA-Scan wird festgestellt, dass ein einziger Kunde 48 % des Gesamtumsatzes generiert.
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Lösung: Vereinbarung einer Earn-Out-Komponente, die 30 % des Kaufpreises an das Verbleiben dieses Hauptkunden in den ersten 24 Monaten koppelt.
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Ergebnis: Kaufpreisrisiko für den Erwerber wirksam abgesichert.
Case 4: Nachweis des Eigenkapitals (Proof of Funds) für Akquisitionsfinanzierung
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Käuferprofil: Kaufinteressent bewirbt sich auf ein attraktives Nachfolgeangebot auf firmenzukaufen.de.
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Lösung: Der Käufer legt dem Verkäufer zusammen mit dem LOI eine Bankenbestätigung über freie liquide Mittel (25 % Eigenkapital) vor.
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Ergebnis: Erwerber erhält den Zuschlag und Exklusivität vor zwei Mitbewerbern.
11. Checkliste für Kaufinteressenten
➔ BUY-SIDE PRÜF-CHECKLISTE
[ ] 1. Exposé-Erstprüfung: Branche, Region & strategischer Fit analysiert.
[ ] 2. BWA-Bereinigung: Inhaberlohn, Einmalkosten & Reinvestitionsstau eingerechnet.
[ ] 3. Cashflow-Bridge: Verfügbarer Cashflow für Schuldendienst ($DSCR \ge 1{,}20$) ermittelt.
[ ] 4. Total Cost berechnet: Nebenkosten, NWC & Reinvestitionen in Gesamtkapitalbedarf eingekalkuliert.
[ ] 5. Inhaberabhängigkeit: Founder Dependency Index ($< 30$ Punkte) bestimmt.
[ ] 6. Struktur gewählt: Share Deal vs. Asset Deal rechtlich & steuerlich abgegrenzt.
[ ] 7. Haftung abgesichert: § 25 HGB (Handelsregister) & § 75 AO (Steuern) vorgeprüft.
[ ] 8. Verträge auditiert: Top-10-Kunden auf Change-of-Control-Klauseln untersucht.
[ ] 9. Proof of Funds: Bankenbestätigung über Eigenkapital (20–30 %) eingeholt.
[ ] 10. LOI verhandelt: Kaufpreismechanik (Locked Box) & Exklusivität (60 Tage) verankert.
12. FAQ: Unternehmensnachfolge-Angebote prüfen
Was sind Unternehmensnachfolge Angebote?
Unternehmensnachfolge Angebote sind Angebote zum Verkauf bestehender Unternehmen, die meist aus alters-, gesundheits- oder strategischen Gründen vom bisherigen Eigentümer zur Übernahme ausgeschrieben werden. Sie umfassen Betriebsmittel, Kundenstamm, Mitarbeiter und Marktposition.
Wie prüft man Nachfolgeangebote auf Seriösität?
Kaufinteressenten prüfen Angebote anhand vollständiger BWA-Nachweise der letzten 3 bis 5 Jahre, testierter Jahresabschlüsse, einer transparenten Aufschlüsselung des Inhabergehalts, des Handelsregisterauszugs sowie des Vorhandenseins strukturierter Datenräume (VDR).
Was ist der wichtigste Fehler beim Kauf eines Nachfolgeangebots?
Der häufigste Fehler ist die ungeprüfte Übernahme der Verkäufer-EBITDA-Zahlen ohne Bereinigung des kalkulatorischen Unternehmerlohns. Dies führt zu überhöhten Kaufpreisangeboten und Problemen bei der Kredittragfähigkeit (DSCR < 1,20) bei Banken.
13. 20 Experten-FAQ zu Unternehmensnachfolge Angeboten
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Wo findet man seriöse Unternehmensnachfolge Angebote?
Auf spezialisierten M&A-Plattformen wie firmenzukaufen.de, die geprüfte, anonymisierte Listings und vertrauliche Vermittlung bieten.
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Was unterscheidet den Share Deal vom Asset Deal für Käufer?
Beim Share Deal kauft der Erwerber Anteile samt Firmenhistorie und Haftung. Beim Asset Deal erwirbt er einzelne Wirtschaftsgüter gezielt.
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Wie prüft man das Gehalt des Alt-Inhabers in der BWA?
Man vergleicht den angesetzten Betrag mit dem marktüblichen Gehalt einer angestellten Ersatz-Geschäftsführung und zieht die Differenz vom EBITDA ab.
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Was bedeutet Debt Capacity bei Nachfolgeangeboten?
Die Fähigkeit des Unternehmens, die künftigen Kreditraten für den Kaufpreis aus dem operativen Free Cashflow sicher zu decken (DSCR ge 1,20).
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Wie sichert sich der Käufer vor versteckten Steuerschulden ab?
Durch Anforderung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts und vertragliche Steuerfreistellungsklauseln (Tax Indemnity).
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Was ist ein Proof of Funds?
Eine Bestätigung der Bank über das Vorhandensein freier liquider Eigenmittel des Käufers (meist 20–30 % des Gesamtkapitalbedarfs).
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Welche Rolle spielt § 25 HGB beim Kaufangeboten?
Bei Firmenfortführung im Asset Deal haftet der Erwerber für Altschulden, sofern kein Haftungsausschluss im Handelsregister eingetragen wird.
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Was passiert mit den Mitarbeitern bei der Firmenübernahme?
Beim Betriebsübergang (§ 613a BGB) treten Erwerber in bestehende Arbeitsverhältnisse ein; Arbeitnehmer haben ein einmonatiges Widerspruchsrecht.
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Was ist ein Verkäuferdarlehen (Vendor Loan)?
Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises als Nachrangdarlehen, was Banken oft als wirtschaftliches Eigenkapital anerkennen.
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Wie funktioniert eine Earn-Out-Klausel für Käufer?
Ein Teil des Kaufpreises wird variabel erst ausgezahlt, wenn vereinbarte EBIT-Ziele in den Folgejahren erreicht werden.
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Was ist eine Locked Box Mechanik?
Festpreisvereinbarung auf Basis einer historischen Stichtagsbilanz vor Signing ohne spätere Kaufpreisanpassungen.
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Welche Bedeutung hat ein Letter of Intent (LOI)?
Er fixiert Kaufpreisrahmen, Transaktionsstruktur, Exklusivität und Zeitplan vor Beginn der kostenintensiven Due Diligence.
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Wie schützt eine W&I-Versicherung den Erwerber?
Sie deckt Risiken aus Verkäufergarantien im Kaufvertrag ab und sichert Ansprüche ab.
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Wie bewertet man die Inhaberabhängigkeit eines Angebots?
Anhand des Vorhandenseins einer 2. Führungsebene, erteilten Prokurierungsgraden und der Dokumentation von Kernprozessen (SOPs).
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Wie berechnet man den Kapitalbedarf beim Kauf?
Wer eine Firma kaufen möchte, kalkuliert den Kapitalbedarf aus Kaufpreis, M&A-Nebenkosten, Working Capital und Reinvestitionen. Die Investition von Kapital erfolgt über Eigen- und Fremdkapital.
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Was gehört in eine Buy-Side Due Diligence?
Die vertiefte Prüfung der Zielgesellschaft in den Feldern Financial, Tax, Legal, HR, IT und Commercial durch Fachberater.
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Welche Rolle spielt der Notar beim Kauf?
Der Notar beurkundet GmbH-Anteilsübertragungen (§ 15 GmbHG), prüft Vertretungsbefugnisse und veranlasst Registermeldungen.
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Was ist ein Change-of-Control-Risiko?
Sonderkündigungsrechte in Kunden- oder Lieferantenverträgen bei Eigentümerwechsel, die vor Closing geklärt werden müssen.
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Wie verhindert man Nachverhandlungen nach dem LOI?
Durch präzise Festlegung aller Bilanzannahmen, des Working Capitals (NWC Peg) und der Kaufpreismechanik im LOI.
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Was ist der 100-Tage-Plan für Käufer?
Der Integrationsfahrplan für die ersten 3 Monate nach dem Closing zur Sicherung von Mitarbeitern, Kunden und operativen Abläufen.
Referenzen & Externe Autorität
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Handelsgesetzbuch (HGB) § 25: Haftung des Erwerbers bei Firmenfortführung.
Link: gesetze-im-internet.de/hgb/__25.html -
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 613a: Rechte und Pflichten beim Betriebsübergang.
Link: gesetze-im-internet.de/bgb/__613a.html -
Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHG) § 15: Formvorschriften zur Übertragung von Geschäftsanteilen.
Link: gesetze-im-internet.de/gmbhgesetz/__15.html -
Abgabenordnung (AO) § 75: Steuerliche Nachhaftung des Betriebserwerbers.
Link: gesetze-im-internet.de/ao_1977/__75.html -
Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) – Standard S 1: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen.
Link: idw.de
Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Beratung.
Autorenbox:
Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH). Experte für Unternehmensnachfolge und M&A-Transaktionen. Seit 2006 begleitet Jürgen Penno Inhaber und Käufer dabei, den Brückenschlag zwischen Tabellenwerten und realen Marktpreisen erfolgreich zu gestalten. Sein Schwerpunkt auf firmenzukaufen.de liegt in der Begleitung von Kaufinteressenten bei der Evaluierung von Nachfolgeangeboten entlang des SUCCESSION-OFFER-AUDIT-FRAMEWORKS™, der BWA-Bereinigung sowie der Absicherung finanzierungsfester Kaufpreis- und Transaktionsstrukturen.