Unternehmensbewertung Multiples – Richtwerte für Mittelständler

Zusammenfassung (Semantic Hook): Die Wertermittlung über Multiplikatoren ist das wichtigste Barometer für den aktuellen Marktwert im M&A-Sektor. Durch den direkten Vergleich mit realisierten Transaktionen (Peer Group) lassen sich belastbare Korridore für Kaufpreisverhandlungen ableiten. Dieser Leitfaden analysiert die aktuellen Multiple-Entwicklungen 2026 und erklärt die präzise Herleitung vom operativen Ergebnis zum marktfähigen Enterprise Value.

1. Das Multiplikatorverfahren: Marktorientierung im Fokus

In der M&A-Analyse 2026 ist das Multiplikatorverfahren unverzichtbar, um den inneren Wert mit der Marktrealität abzugleichen. Wer ein Unternehmen verkaufen möchte, muss verstehen, dass Käufer primär für künftige Cashflows und die operative Stabilität zahlen. Im Gegensatz zum Substanzwert spiegelt die Multiple-Analyse wider, was Investoren aktuell für einen Euro Gewinn investieren.

Besonders in der Unternehmensnachfolge liefert dieser Ansatz schnelle Plausibilität. Bevor Sie den Unternehmenswert berechnen, ist eine Normalisierung des EBITDA zwingend, um Sondereffekte zu eliminieren. Ein hoher Kapitalbedarf für technische Modernisierungen kann den Faktor drücken, während eine nachhaltige Investition von Kapital durch den Inhaber die Attraktivität für Käufer steigert, die ein Unternehmen kaufen möchten.

2. Benchmark-Vergleich: EBIT vs. EBITDA vs. Umsatz Multiples

Die Wahl des passenden Faktors hängt stark von der Kapitalintensität der Branche ab. Während Tech-Firmen oft über Umsatz-Multiples bewertet werden, bleibt im produzierenden Mittelstand das EBIT das Maß der Dinge.

Multiple-Typ Fokus der Bewertung Mittelstand M&A Relevanz
EBIT Multiple Operative Profitabilität Goldstandard für KMU-Transaktionen
EBITDA Multiple Cashflow-Potenzial Fokus bei hoher Anlagenintensität
Umsatz Multiple Marktanteil / Wachstum Relevanz bei SaaS & Startups

Wer eine Firma kaufen möchte, nutzt diese Benchmarks als ersten Filter. Bei einer Firmenübernahme durch Finanzinvestoren werden oft höhere Multiples erzielt als bei rein privaten Käufen. Möchten Sie hingegen eine Firma verkaufen, ist die Darstellung einer stabilen Marge über dem Branchen-Durchschnitt der beste Hebel, um einen Aufschlag auf den Standard-Multiple zu rechtfertigen.

3. Die Equity-Value-Brücke und strategische Abschläge

Ein Multiple ist keine statische Zahl, sondern eine Variable, die das Risiko widerspiegelt. Eine ungeklärte Unternehmensnachfolge oder eine hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden führt in der Praxis zu Abschlägen von 0,5x bis 1,5x. Wer ein Unternehmen kaufen möchte, führt ein Management-Buy-In (MBI) oder Management-Buy-Out (MBO) daher meist auf Basis einer bereinigten „Net-Debt“-Rechnung durch.

Die Wertermittlungs-Formel (Visualisierung)

Enterprise Value (EV) = Operatives Ergebnis (EBIT) \times Multiple
 
Kaufpreis (Equity Value) = EV - Finanzschulden + Barmittel

Diese Differenzierung ist entscheidend, wenn Sie eine Firma verkaufen. Oft scheitern Verhandlungen an der Definition der „liquiden Mittel“. Eine professionelle Geschäftsübernahme erfordert hier höchste Präzision im Rahmen eines Unternehmenskaufvertrags.

4. 10 Experten-Fragen zu Multiples 

  1. Wie aktuell sind die hier genannten Multiples? Die Werte orientieren sich an den Transaktionsdaten von Anfang 2026. Sie werden quartalsweise durch Benchmarks von PwC und KMU-Börsen wie NIMBO oder DUB validiert.

  2. Warum unterscheiden sich KMU-Multiples von DAX-Multiplikatoren? KMU haben oft ein höheres Klumpenrisiko (Personen- oder Kundenabhängigkeit). Daher liegt der "Small Firm Discount" meist zwischen 20 % und 40 % unter den Werten börsennotierter Konzerne.

  3. Was ist die "Peer Group Analysis" genau? Es ist die Auswahl von mindestens 5-10 vergleichbaren Unternehmen hinsichtlich Branche, Größe und Region, um einen repräsentativen Durchschnittswert zu ermitteln.

  4. Wie beeinflussen ESG-Kriterien den Multiple im Jahr 2026? Unternehmen mit nachweisbar nachhaltiger Strategie erzielen aktuell Aufschläge von bis zu 1,0x, da das Risiko künftiger regulatorischer Kosten für den Käufer sinkt.

  5. Können Multiples bei Verlusten angewendet werden? In diesem Fall greift man oft auf Umsatz-Multiples oder das Substanzwertverfahren zurück, da ertragsbasierte Multiples kein sinnvolles Ergebnis liefern.

  6. Was bedeutet "Normalisiertes EBITDA"? Es ist das Ergebnis nach Bereinigung von Einmaleffekten, wie z.B. privaten Pkw-Kosten, einmaligen Beraterhonoraren oder überhöhten Inhabergehältern.

  7. Wie wirkt sich das Zinsumfeld auf die Multiplikatoren aus? Höhere Zinsen verteuern die Akquisitionsfinanzierung, was tendenziell zu einem Druck auf die Multiples nach unten führt (WACC-Effekt).

  8. Was ist ein "Transaction Multiple" im Vergleich zum "Trading Multiple"? Transaction Multiples basieren auf tatsächlich gezahlten Preisen bei Verkäufen (inkl. Kontrollaufschlag). Trading Multiples leiten sich von Aktienkursen ab.

  9. Welche Rolle spielt die Region beim Multiple? In wirtschaftsstarken Clustern (z.B. Süddeutschland) werden aufgrund der hohen Bieterdichte oft höhere Multiples erzielt als in strukturschwachen Regionen.

  10. Warum sollte man Multiples mit der DCF-Methode kombinieren? Die Multiplikatormethode ist eine Momentaufnahme des Marktes. Die DCF-Methode prüft, ob die künftigen Cashflows den durch Multiples ermittelten Preis überhaupt tragen können.

5. Referenzen & Externe Autorität 

Wir stützen unsere Benchmarks auf anerkannte Marktberichte und Echtzeit-Datenbanken:

  • NIMBO / DUB KMU Multiples: Aktuelle Marktpreis-Indices für den deutschsprachigen Mittelstand. NIMBO Datenbank einsehen

  • KPMG / PwC Valuation Reports: Fachstudien zu Kapitalmarktdaten und Sektorbewertungen. PwC Multiples Report

  • IDW S1: Offizieller Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer zur Unternehmensbewertung. IDW Fachstandards

 

Rechtlicher Hinweis:

Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Bewertung durch einen qualifizierten M&A-Berater oder Wirtschaftsprüfer.

Autorenbox:

Jürgen Penno, Dipl.-Betriebsw. (FH) Experte für Unternehmensbewertung und M&A-Transaktionen. Jürgen Penno unterstützt seit 2006 Unternehmer dabei, marktgerechte Bewertungen zu erzielen und Exits erfolgreich zum Closing zu führen.

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